Anweisung ausführen! Befehle für ein besseres Leben.

Installation auf dem Marktplatz in Emsdetten 2008

PROJEKTINFO

Das Kunstprojekt „Anweisung ausführen! Befehle für ein besseres Leben“ von atelier KUNSTKOMMT! ist eine Aktion im öffentlichen Raum mit Plakaten. Befehle als paradoxe Denkanweisungen spiegeln Glücksversprechen der Medien- und Konsumwelt als Arbeit zur Orientierungslosigkeit und Sinnsuche.

FRAGEN & ANTWORTEN

Worum geht es bei der Aktion?

Eingesendetes PlakatmotivVerschiedene Plakatmotive mit Befehlen als subversiv-ironische Statements zu Glückversprechen werden auf dieser Website frei zum downloaden und selbst ausdrucken zur Verfügung gestellt. Für die Aktion werden in der Fotogalerie Fotos von Aushängen mit den Befehle-Plakaten gesammelt: Im Außen- und Innenraum, öffentlich und privat, an Orten freier Wahl. 

Ziel ist eine Grassroot-Bewegung zu ermöglichen, die sich in den öffentlichen Raum einmischt. Die Plakate werden von Aktionsteilnehmern frei plakatiert,  die Aushänge fotodokumentiert und diese Plakatebilder in der Fotogalerie eingestellt.  Die Künstler sind immer wieder an verschiedenen Orten präsent und verteilen Plakate bzw. plakatieren, es werden neue Befehle-Plakate entstehen und das Projekt wird mit den Fotoeinsendungen in Ausstellungen gezeigt...

Wie und wo kann ich plakatieren?

Plakatmotiv in LengerichGrundsätzlich überall, wie und wo Sie wollen, Innen und Außen – wir sind gespannt auf Ihre Ideen!

Plakate im Außenraum sind überall zu sehen und trotzdem darf nicht wild plakatiert werden. Hängen Sie die Plakate z.B. außen sichtbar in Fenster oder an ihr Garagentor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche freie öffentliche Aushangstellen,  z.B. Plakatboards in Schulen, Ämtern, Veranstaltungshäusern etc, wo Plakatierungen erlaubt sind. Am besten kurz um Erlaubnis fragen und dann wird meist gerne das Plakat z.B. ins Schaufenster geklebt.

Wir freuen uns auch, wenn Sie im Innenraum Plakate z.B. im Büro aufhängen oder an der Kühlschranktür. Ob mit den Plakaten oder den Mini-Plakatständern, Ihrer Fantasie für Foto-Plakatkreationen sind keine Grenzen gesetzt ...

Wie funktioniert der Foto-Upload?

Sie können einfach und schnell Fotodateien als *.JPG oder *.TIF mit bis zu 2 MB Größe hochladen. Mit dem Formularfeld können Sie auf Ihrem Rechner ein Bild suchen, auswählen und dann senden. Weitere Angaben sind frei: Sie können anonym bleiben und nur ein Foto senden. Wir freuen uns natürlich, wenn wir wissen von wem das Bild ist und wo es aufgenommen wurde, diese Mitteilung steht Ihnen frei. Sie müssen sich nicht anmelden oder registrieren.

Was passiert mit den Fotos?

Ausstellung mit FotodokumentenWir sehen in diesen Fotodokumenten das Festhalten eines vergänglichen, temporären Statements im Raum mit unseren Plakaten, die wir dafür frei zur Verfügung stellen. Die eingestellten Fotos mit den Plakaten des Befehle-Projekts sammelt atelier KUNSTKOMMT!, um den Prozess zu dokumentieren und die Fotos mit auszustellen. Eine kostenlose Freigabe Ihrer Aushang-Fotodokumentation ist Teil des Projekts: Sie haben so die Möglichkeit, sich an einer öffentlichen Präsentationsform zu beteiligen.

 

HINTERGRUND

Wie sollen wir sein, was sollen wir denken?

Plakatmotiv 7: Den Körper beherrschen und mächtig gesund fühlen!Das Plakatprojekt hinterfragt Glücksversprechen und Sinnsuche als soziale Intervention im öffentlichen Raum mit paradoxen Denkanweisungen. Eine Plakatserie visualisiert kurze Befehle, die Einstellungen, Befindlichkeiten und Werte unserer Medien- und Konsumwelt spiegeln.

Der Lebenshilfe-, Richtungsweiser- und Orientierungsberater-Markt und die Werbewelt haben zahlreiche Antworten darauf, wie wir zu sein haben. Aber wollen wir wirklich angewiesen werden? Zur Überprüfung ermöglicht das Kunstprojekt eine Einmischung in die private und öffentliche Lebenswelt.

Diese Kunstaktion ruft zum freien Plakatieren auf als Einmischung im (öffentlichen) Raum. Die Plakate sind frei zum Download: Einfach Befehle ausdrucken, plakatieren, fotografieren und ausstellen! Von den Aushangorten werden Fotos von jedermann gesammelt, es entsteht eine Fotodokumentation freier Aneignungen mit Befehlen zur Überprüfung.

Aushandlungsprozesse

Plakatierung im Schuhladen: Converse BildmotivDie Plakatierung ist eine Aktion, die sich in den städtischen Raum (ein)mischt und ihn aneignet. Mit den Befehlen können eigenständige Aussagen über den Aushangort kreiert werden.

Je nachdem wo welcher Text hängt, mit Personen im Bild und der Geschichte der Raumsituation und den Botschaften der Medien- und Konsumwelt, entstehen ortspezifische Aushandlungsprozesse.

Wollen wir angewiesen werden? Befehleplakate zur Überprüfung.

Eingesendetes PlakatmotivWir leben in einer Gesellschaft mit individueller Selbstbestimmung und Flexibilität. Eigentlich klingt dies gut, jedoch münden die daraus entstehenden Möglichkeiten und Freiheiten nicht selten in Orientierungslosigkeit. Statt das Leben zu nehmen wie es kommt, gehen wir auf Sinnsuche: Wie fühle ich mich gerade mit dem Leben? Das Dasein steht auf dem Prüfstand. Ob es das Streben nach Glück ist oder andere Ideale, ständig wird geprüft, gesucht und ausgerichtet besonders an dem, was uns Medien, Werbung, Politik und Meinungsforschung servieren.

Die Qualitäten und Definitionen von Nahräumen, Arbeit, Werten und Regeln lassen die innere Wirklichkeit aus dem Lot geraten. Die Anforderungen an einzelne Lebensabschnitte passen oft nicht zu den eigenen Vorstellungen. Die Lebensführung wird als zweifelhaft oder fragwürdig empfunden. Lebenshilfebücher, Management-Ratgeber, Personal Trainer, Life Coaches — Menschen sind empfänglich für optimistische Werbebotschaften und Hilfe zur Selbsthilfe-Angeboten.

Nicht nur die Werbung arbeitet mit Glücksanweisungen, auch in den Kommunen, bei Unternehmen und in der Politik sind Leitbilder, Motivationsanweisungen, Aufbruchsvisionen und Werteformulierungen präsent. Wollen wir aber wirklich angewiesen werden, wie wir zu sein haben und was wir denken sollen? Das Projekt bietet Befehleplakate zur Überprüfung.

Bewusstseinsübung

Die Plakatserie visualisiert mehrfarbig minimal-grafisch Denkanweisungen als kurze Befehle, die auf Einstellungen, emotionale Befindlichkeiten und auf positive Sinnsuche anspielen. Sie geben keine Handlungsanweisungen im engeren Sinn, sondern dienen der persönlichen Selbstaufforderung. Wunschzustände wie Glück, Erfolg, Freiheit, Reichtum, Gesundheit, Geborgenheit, Liebe, Einzigartigkeit werden als Sätze mit Werthaltungen abstrahiert.

Die Arbeit mit dem BEFEHL ist eine bewusste Wortwahl. Die Sätze auf den Plakaten sind Zuspitzungen angenommener Werteorientierungen, die im Alltag unterschwellig vorhanden sind und so als explizite Anweisungen zur Überprüfung visualisiert werden. Gewählt ist eine Befehlsform, die als infinite (lat. infinitum, „das Unvollendete“) Verbform formuliert ist, in der die Person nicht ausdrücklich erwähnt wird. Es bietet sich dafür der Imperativ an. Um den Befehl aber nicht direkt an den Betrachter zu richten, wird der Infinitiv als Ersatz für den Imperativ verwendet.

Der Lebenshilfe-, Richtungsweiser- und Orientierungsberater-Markt hat zahlreiche Antworten darauf, wie wir zu sein haben. Unsere Sätze folgen einer eigenen 7 Worte-Regel und bedienen offensichtlich die klassischen Klischees. Wir geben eine einfache Handlung oder einen Zustand vor und schicken den Betrachter als eine Art Bewusstseinsübung. Im Zusammenhang mit gewählten den Aushangorten werden paradoxe Aussagen sichtbar.

 

FÖRDERUNG

Projektstipendium KunstKommunikation '08

Im Rahmen des Projektstipendiums KunstKommunikation’08 des DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst wurde das Konzept entwickelt und mit einer Plakatierung im öffentlichen Raum in fünf Städten des Kreises Steinfurt realisiert. Es entstand eine großräumige Plakatierung mit Beteiligung, eine digitale Fotosammlung und abschließend eine Ausstellung als Dokumentation. Mit eigenen Mitteln wurde die Website erstellt und zweisprachig umgesetzt. Nun kann das Internetprojekt international als Fotoaktionsplattform genutzt werden.

Landkarte Kreis Steinfurt mit Kennzeichnung der Installationsorte

Plakatierungsaktion im Kreis Steinfurt

Die Plakate wurden in Werbeflächen an öffentlichen Orten untergemischt und im Stadtraum allgemein mit Installationen in Kooperation mit Behörden sichtbar gemacht. Zum Einen plakatierten wir persönlich und mit ehrenamtlichen Helfern (Schülergruppen, Engagierte in der Stadtbildpflege, Hobbykünstler) zentral in der Innenstadt und gingen schließlich in die Geschäfte, in denen wir die Schaufensterflächen und Auslagen nutzen konnten. Ein Plakatmotiv war überregional durch Buswerbung präsent. Außerdem waren die Plakate bei Projekt-Stützpunkten an kulturellen Orten erhältlich.

Zum Anderen verteilten wir mit einem Rollwagen massig Plakate an Passanten als Give-Aways und initiierten so eine freie Aneignung im Raum: Jedermann kann plakatieren, seinen Ort dokumentieren und Fotos senden. Wir haben eine Bildersammlung von den Aushangorten erzielt, die neue Sinnkontexte und individuelle Statements im öffentlichen- und privaten Raum abbildet.

Es wurde eine Vermassung der Befehleplakate in den Innenstadträumen größerer Städte des Kreises Steinfurt und im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst erzielt. Die Befehle wurden in Rheine, Lengerich, Ibbenbüren und Emsdetten speziell mit Installationen in Szene gesetzt. Die Plakate wurden sowohl als Serie als auch einzeln in einer großen Fläche veröffentlicht. Insgesamt wurden ca. 5000 Plakate im Medienmix der Formate DIN A4 bis DIN A1 im Aktionszeitraum von Mai bis Juli 2008 verteilt.

Die Installationen mit Plakatständern wurden in den Städten als Satellitenpunkte aufgebaut, damit die Plakateüber einen längeren Zeitraum sichtbar blieben. Es gab in den beteiligten Städten Innenstadtaktionen, bei denen die Plakate kostenfrei zum Mitnehmen verteilt wurden. Viele Aktionsteilnehmer haben Plakate ausgehängt und Fotos eingesendet.

Eine PR-Offensive begleitete die Aktion in dem Großraum und erreichte überregionale Resonanz. Insgesamt 140 Fotos mit Plakatsituationen aus dem Partizipationsprozess wurden vom 6. Juli 2008 bis 31. Januar 2009 im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst im Rahmen einer Mixed Media Installation gezeigt. Die Ausstellung beinhaltete eine Foto-Wandinstallation, die die verschiedenen Befehle im Kontext der Räume und Menschen widerspiegelt. Die Plakatständer wurden zum Teil beschmiert und zerstört. Die Website hatte überproportional hohe Abrufzahlen auch außerhalb des Ereignisraums.

Die Aktion hat eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt: Sie reichte von Diskussionen bei den Verteilaktionen, über interessante Foto-Statements bis hin zu Zerstörungen der Installationen, Graffitis und gewaltsamer Entfernungen der Plakate. In der Presse fand eine Aneignung der Plakat-Texte statt und diese führten unabhängig vom Projekt zu einem Eigenleben...